Von den Anfängen

Erich Matthäus, Ortschronist, forschte nach

Die früheste Erwähnung Rißdorfs findet sich im Hersfelder Zehntverzeichnis, das zwischen 899 und 899 entstsanden ist. Es beruht auf älteren Aufzeichnungen, von denen der Abschnitt, in dem Rißdorf aufgeführt wird, von der Forschung auf „frühestens 830 bis 850“ angesetzt wird. Welche dieser Nennungen sich auf Ober- oder Unterrißdorf beziehen, ist, wenn überhaupt, nur durch Spezialforschung zu entscheiden.

Quelle: Stadtarchiv Eisleben, Nachricht vom 06.11.86 an Erich Matthäus, Unterrißdorf

Erste Erwähnung

Es hat Jahrhunderte langer Arbeit bedurft, um aus dem schon in der geschichtlichen Frühzeit vorhandenen Faulen See bei Eisleben und seiner Abfluss-Niederung kulturfähiges Land zu machen und so gehört auch Unterrißdorf zu den vergleichsweise jüngeren Siedlungen des Mansfelder Landes, nicht vor dem Jahre 800 entstanden. …....

Die natürliche Lage nahe der Böse Sieben

Die Lage von Unterrißdorf ist auch nicht ohne weiteres von der Natur vorgeschrieben:mitten im Überschwemmungsgebiet auf einer sehr flachen Sandhöhe gelegen, ist es oft von den Hochfluten der Bösen Sieben betroffen worden, alle paar Jahrzehnte einmal, am schlimmsten wohl 1222, also zu einer Zeit, wo die Eindämmungsarbeiten noch nicht durchgeführt waren. Quelle: aus „Wanderungen durch die Grafschaft Mansfeld“ von Erich Neuss

Hochfluten von 1222

Cyriakus Spangenberg, der mansfeldische Chronist, erzählt davon, wie es zu Rißdorf im Grunde „ein erbärmiglicher Anblick ist gewesen, da man nach Verlaufung der Flut am See im Schlamme hat beyeinander gesehen totliegende Menschen und Viehe, Garben Getreides, Heu und Grummet, dessen viel von Acker und Wiesen verschlemmet worden und so mancherley Hausrat beneben Dachen und Fachen, so das Wasser mit hingerissen.Quelle: aus „Wanderungen durch die Grafschaft Mansfeld“ von Erich Neuss

Urbarmachung durch die Friesen

Der Lauf der Bösen Sieben, in Urkunden auch Wilder Bach genannt, wurde von den Friesen vor 700 Jahren in Damm und Deich gezwängt und so das einstige Bruchland nach dem Süßen See hin in Baum-Anger und Wiesen verwandelt, denn morastig und schwer passierbar war einst der Unterlauf der Bösen Sieben.Quelle: aus „Wanderungen durch die Grafschaft Mansfeld“ von Erich Neuss

Politisch, wirtschaftliche wichtige Lage

Unser Rißdorf im Grunde liegt nämlich an einem uralten Landweg, der am Nordufer des Süßen Sees entlang führt und hier auf das südliche Ufer der Bösen Sieben hinüberwechselt, an der selben Stelle, wo auch die einst Politisch und heute noch wirtschaftlich wichtige Straße von Helfta nach Hedersleben den Bach überschreitet.Quelle: aus „Wanderungen durch die Grafschaft Mansfeld“ von Erich Neuss

Vorgeschichtliche Siedlungen

Die vorgeschichtlichen Unterrißdorfer haben …... weiter westlich bei den Sandgruben an der Mönchshöhe gesiedelt, nahe dem Fressbach, insbesondere bei der Petrischen Sandgrube; hier fand man Herdgruben und Gräber der jüngeren Steinzeit und späterer Perioden.Quelle: aus „Wanderungen durch die Grafschaft Mansfeld“ von Erich Neuss

Dorf im Kriegsgeschehen

1. Weltkrieg

2. Weltkrieg

RegelmäßigerTreff  der Mitglieder des Stahlhelms in der Gaststätte zur Weintraube Unterrißdorf

Hans-Jürgen Wiese überliefert von seinem Schwiegervater:

Behandlung polnischer Zwangsarbeiter

Die Wiesens hatten für die Landwirtschaft und Hof polnische Zwangsarbeiter zugeteilt bekommen. Die Familie und die Polen aßen zusammen ihre Mahlzeiten an einem Tisch. Das war unter der NSDAP strengstens verboten.

Die Wiesens zogen daraufhin die Tische zwei cm auseinander, um dem Genüge zu tun.

 

Zeitzeugin Frau Gertraut Rothkegel:

Anblick von Kriegsverletzten

Als die Amerikaner immer näher rückten, wurde in der Nähe des Eisleber Wiesenhauses ein Lazarett aufgelöst.Da kamen die Kranken und Verwundeten auf unserer Straße entlang, wollten in die Berge hoch und sich da verstecken.

Ich stand als Kind von Jahren vor unserem Tor an der Straße und ich sah die Menschen mit Verbänden und ihren Verwundungen,auf Krücken humpelnd, mit fehlenden Armen oder Beinen. Es war furchtbar! Das vergesse ich nicht.

 

Zeitzeugin Frau Gertraut Rothkegel:

Fliegeralarm in der Schule

Einmal in der Schule war plötzlich Fliegeralarm. Der Lehrer Mattheus sagte eilends: „Flitzt schnellstens nach Hause alle“ und entließ uns. Der Lärm der Tiefflieger wurde so schlimm,daß ich vor Angst Schutz suchte im Hauseingang von Lischewskis. Dort war der Türsturz besonders breit und ich drückte mich mit tief in die Ecke, die Hände vors Gesicht, bis es vorbei war.

 

Zeitzeuge Eberhard Dittmar:

Bomben in der Aue

Meine Mama kam mit dem Fahrrad und Tragekiepe vom Markt in Eisleben zurück. Hinter dem Wiesenmarkt hörte sie die herannahenden Bomber. An derBösen-Sieben-Brücke warf sie Fahrrad und Kiepe ins Gras. Um ihr Leben zitternd kroch sie unter den Bogen der Steinbrücke zum Schutz, während mit Höllenlärm über der ganzen Aue Bomben niedergingen und tiefe Krater rissen.

Ihr ist nichts passiert.

 

Zeitzeuge Eberhard Dittmar:

umherziehende, flüchtende Menschen

Im Krieg und danach wohnten so viele verschiedene Familien in unserem Haus, manchmal nur in einem Zimmer! Einmal kam eine Familie aus Köln, nur mit dem Handwagen kamen die an. Sie blieben nicht lange, ein paar Tage. Sie wollten wieder zurück dorthin.

 

Zeitzeugin Frau Gisela Reimann:

Unterrißdorf in großer Gefahr

Als beim Vorrücken der Amerikaner Gegenwehr kam von den zwei deutschen Flacks bei Unterrißdorf, waren die Unterrißdorfer Menschen hier in größter Gefahr. Die Amerikaner hatten einen Komandostab oben in Helfta in der „Sonne“. Die Gastwirte dort sollen damals gesagt haben: „Bitte zerschießt nicht das Dorf (Unterrißdorf). Dort leben so viele gute und fleißige Leute!

 

Zeitzeugin Gisela Reimann:

Kriegsgefangenenlager

Dann kam das Kriegsgefangenenlager. Der ganze Anger wurde geräumt.Alle mussten raus und woanders unterkommen. Dort in den Häusern richteten die Amerikaner ihren Stab ein. Und in dem Lager waren furchtbare Zustände. Es war eine furchtbare, ungewisse Zeit.

 

Zeitzeuge Reiner Röbenack:

Geschütztreffer bis über der Bergschenke

Von der Blauen Chausseé aus feuerten die Amerikaner Richtung Unterrißdorf.

Wir saßen im Bunker, in dem Großvater Oswald sonst immer mal ein Schwein versteckt hatte. Die Geschütztreffer flogen über die Mönchshöhe und schlugen krachend oberhalb der Bergschänke im Fels ein.

 

Zeitzeuge Reiner Röbenack:

Amerikanische Soldaten besuchen die Bergschänke

 Großvater Oswald erzählte mir als Jungen von den schwarzen amerikanischen Soldaten, dass sie riesige, weiße Zähne hätten und Kinder fressen. Und dann kam der Tag, als ein Schwarzer Amerikaner in unserer Wirtschaft auftauchte. Mit großen Augen musterte ich ihn, ich hatte solchen Schiss! Bis er Kaugummi rausholte, mir schenkte und lachte. Da war´s überstanden.

 

Erich Kirschbaum überliefert:

Zerstörungen durch den Beschuss

Bei Kirschbaums waren Fenster und Tür beschädigt. Ein Schuss räumte das Hausdach runter. Ich habe heute noch die Kaufrechnung der Ziegel, die zur Neueindeckung beschafft wurden.

 

Pfarrer Fridjof Grohmann überliefert:

Beschädigungen am Kirchturm

Am Turm der Kirche gab es Einschläge von Granatsplittern, die man heute noch sehen kann. Wir haben sie mit Absicht nicht reparieren lassen, damit sie als Zeitzeugnis erinnern an die kritische Lage damals und zu Vernunft mahnen.

 

Uwe Reinecke überliefert von Oma Elly Reinecke:

Scheune ausgebrannt

Eine Panzergranate flog in die große Scheune, die randvoll war mit noch nicht gedroschenem Getreide. Das riesige Feuer brannte alles aus und der gesamte Dachstuhl stürzte herunter. Die gusseiserne Pumpe vor der Scheune hat gekocht und war nicht anfassbar. Da war nichts zu retten.

 

Zeitzeugenbericht von Gisela Reimann:

Nach Ende des Beschusses von Unterrißdorf kam das Gefangenenlager am Dorfrand. Der gesamte Anger, die Häuser wurden geräumt, die Anwohner mussten raus und sich im Dorf eine Bleibe suchen. Es zog in die leeren Behausungen der Besatzer-Stab ein und die Bewacher des Lagers.

Die Tiere waren am Orte geblieben und die Besitzer durften einmal am Tage kommen zu ihrem Haus, um die Tiere zu versorgen.

Und das Elend in dem Lager! Es war ein so kalter Frühling und die Gefangenen lagen im Deck und Matsch, ohne Schutz, einfach auf dem Ackerboden. Das war schlimm. Eine schlimme Zeit.

 

 

Kriegerdenkmal

Rolle von Landwirtschaft, Obst und Weinbau

Unterrißdorf und der Weinbau

 

Das heutige Unterrißdorf ist ein echtes Straßendorf und ein Bauerndorf dazu mit vielen sauberen, baulich oft altertümlichen Gehöften. Verstärkt erscheint der Siedlungskern an der Sraßenkreuzung. Hier liegt der Gasthof mit dem früher so bezeichnenden Namen“Zur Weintraube“, während der andere den nicht minder hübschen Namen „Zu den vier Jahreszeiten“ trägt.

Noch vor 100 Jahren blühte in der Unterrißdorfer Flur der Weinbau. (1785:100 MorgenWeinberg), so am Brüchbornsberg, im Hasenwinkel, der eigentlich Hases Winkel heißen müsste nach der schon im Helftaer Erbbuch von 1521 genannten Familie Hase . Aber man denke nicht, dass diese Weinbergealle freies Eigen der damals 34 Zinspflichtigen von Rißdorf im Grunde gewesen wären! Was nicht dem Kloster Wimmelburg (seit 1121) als Obereigentum gehörte, das war im Lauf der Zeit an die Helftaer Nonnen gekommen. Und so erklärten sich zwanglos die Namen Mönchshöhe und Nonnengrund. Auch Kloster Sittichenbach hatte hier Besitzungen, doch Helfta die meisten. Außer Geldabgaben mussten die Bewohner jährlich 99 Hühner und 4 Gänse abliefern.Quelle: aus „Wanderungen durch die Grafschaft Mansfeld“ von Erich Neuss

 

Worauf der Wein wächst

Der Weinbau gedieh und gedeiht heute noch auf Verwitterungsböden des Mittleren und Unteren Buntsandstein, die teilweise mit Letten und Löß bedeckt sind und dem Wein hier seinen Charakter geben.

 

Landwirtschaft um 1850 bei Unterrißdorf, Zeichnung

Schule im Dorf

Bergbaugeschichte

Hofgeschichten 

Dönitz-Hof

Großvater und Großmutter unserer Zeitzeugin:

Hermann Kieling und Katharina Kieling

Wann sind sie geboren und gestorben?

Er stammte von Roßla. Sie Stammte von Esperstedt.

Er kam durch die Fördeung eines Adligen (Fürst von Roßlau Anhalt) auf eine bessere Privatschule und machte eine Ausbildung zum Kammerdiener.

Was machte der Großvater in Wils?

Er heiratet (Wann) Katharina, eine Frau aus Esperstedt.

Ihre Mutter war eine Dönitz mit Hofbesitz in Unterrißdorf. Katharina war eine von drei Töchtern. Eine der Dönitztöchter wohnte im Eckhof , Am Anger.

 Die dritte Tochter zieht nach Düsseldorf?

Im ersten Weltkrieg ging Großvater zur Marine und blieb als Kammerdiener für die wichtigen Herren zum Glück von Kriegsunbilden verschont.

Ca. um 1900 übernimmt er einen Teil des Dönitz-Hofes in Unterrißdorf. Er wohnt dort mit seiner Frau und einer Tochter Elisabeth.

Großvater Kieling und seine Frau bekamen eine Tochter Elisabeth Kieling.

Elisabeth, die Mutter unserer Zeitzeugin, wird Schneiderin und arbeitet für die Leute im Dorf.

Sie heiratet einen Mann namens Franz Schillke. Sie sind die Eltern unserer Zeitzeugin.

Sie als Schilke-Tochter wird im Jahr 1931 in Unterrißdorf geboren. Und auf den Namen Gisela getauft.

Die Eltern gingen mit Ihr von Unterrißdorf fort nach Düsseldorf. Wegen der Umstände.

Tochter Gisela ging 1.und 2. Klasse in Düsseldorf zur Schule.

Die Schule erlebte sie damals sehr vorbereitend auf den Krieg (etwa 1938). Es gab auch viele Frauenkreise zur Vorbereitung auf den Krieg.

Der Vater wurde bald in den Krieg eingezogen nach Frankreich. Elisabeth erinnert sich, dass er im Schützengraben sehr von Rheumatismus geplagt war.

Ihr Vater , Franz Schillke war eines von 8 Kindern. Er stammte aus einer Bauersfamilie aus Oberschlesein. Sein Beruf als Bauer hatte ihm körperlich zugesetzt. Nach dem Ende des Krieges konnte er diese Tätigkeit nicht mehr ausüben.

Er ging zur Polizei. Hier wurden Polizisten gebraucht, um gegen die Unruhen der Kommunisten vorzugehen (Turnhalle Eiselben, Breiter Weg). Bei der Polizei gab es einen freien Tag in der Woche und er ging in die „Terrasse“ zum Tanz. Dort lernte er ihre Mutter, Elisabeth Kieling, kennen.

Er wurde dann als Polizist im Rheinland kasserniert. Und ihre Mutter zog mit und dort heirateten sie auch.

Da es in Düsseldorf im 2. Weltkrieg sehr unsicher zuging wegen ständiger Fliegeralarme, beschloss ihr Vater, dass sie mit ihrer Mutter zurückkehren sollte nach Unterrißdorf auf den Hof des Großvaters Kieling. Hier gab es auch mehr zu Essen und Sicherheit.

Der Großvater war die rechte Hand des Pfarrers, denn er führte für ihn die Kirchenbücher.

Nebenbei wurde auf dem Dönitzhof vom Großvater Kieling natürlich viel gutes Gemüse angebaut. Sein Grünkohl war in Unterrißdorf begehrt. Und zur Schlachtezeit kamen viele Leute mit großen Tragekörben, um bei Kielings Grünkohl abzukaufen.

Die Kleintierwirtschaft trug zur Selbstversorgung auf Großvaters Hof bei. Als Kind kannte Gisela dort ein Schwein, eine Ziege, Kaninchen und Hühner. Sie musste bei der Futterbeschaffung behilflich sein. Sie erinnert sich, dass sie mit einem hölzernen Leiterwagen und der Sichel laufen musste hochwärts bis auf die Mönchshöhe, oberhalb von Hohensteins Mühle, weil der Großvater dort ein Stück Acker mit Futter hatte. Dann ging es mit dem gefüllten Futterwagen meist bergab zurück und sie mußte aufpassen, dass ihr der Wagen nicht in die Hacken rollte.

Sie erzählt lebhaft, wie sie sich freute, wenn im zeitigen Frühjahr kleine Ziegenlämmer geboren wurden, mit denen sie spielte. Wenig erfreut berichtet sie davon, wie sie mit der Ziege vom Großvater an der Leine durch das Dorf geschickt wurde, um den legendären Ziegenbock von Herrn Reinhard zu besuchen, um anschließend die glückliche Ziege wieder heim zu führen zum Hof.

Ab der dritten Klasse besuchte Gisela die Unterrißdorfer Schule. Dort hatten etwa 30 Kinder zusammen in einem Raum Unterricht. Sie erinnert sich noch sehr gut an den alten Lehrer Mattheus, der auch gerne mit dem Stock maßregelte. Sie selbst sagt: „erzogenwurde weniger in der Familie, dafür umsomehr in der Schule.“ Weiter beschreibt sie. „ nach dem Schultag ging der Lehrer regelmäßig in die Wirtschaft des Ortes, natürlich, um sich bei einem Biere zu erfrischen. Aber es ging auch darum zu hören, was die Familien über ihre Sprösslinge erzählten oder wo etwas vorgefallen war. In der Folge wurden dann die Hosenböden in der Schule stramm gezogen und der Stock gezückt.

Ihre Mutter führte mit dem alten Mattheus das Gespräch über eine Ausbildung an der Oberschule. Der Lehrer sagte, das sie zwar faul war, aber dass sie es schaffen könnte. Sie hatte vorher eine Eignungsprüfung, die ihre gute Sprache und andere Fähigkeiten bestätigten.

Gisela hatte Freundinnen. Eva Menzel und Sabine Schilling(Tochter vom Tierarzt Dr.Schilling) mit denen sie Freizeit verbrachte und auch zur Schule nach Eisleben ging.

Sie kam also zur höheren Mädchenschule, die oberhalb des Parks in Eisleben in der heutigen Scholl-Schule ansässig war. Der Direktor hieß Major Kettlitz und hatte ein sehr strenges Regiment

Mit dem Fahrrad ihrer Mutter ist Gisela täglich nach Eisleben zur Oberschule gefahren; manchmal sogar zweimal, weil sie zum Geigenunterricht ging.

Nachdem sie in der Oberschule das Abitur abgelegt hatte, wollte sie Architektin werden.

Das ging nicht ohne einen praktischen Beruf vorher zu lernen. Sie ging 2 Jahre in Eisleben in die Tischler-Lehre bei Herrn ?????.

Mit 18 bekam sie einen Studienplatz in Halle an der Gutjahr-Schule. Sie hatte ein Zimmer in Halle bei einem älteren Ehepaar. An der Gutjahrschule wurden auch Zahnmediziner, Steinmetze ausgebildet. Dort pulsierte das Leben. Später  studierte sie zu Ende in Weimar. Sie spricht heute noch fasziniert davon, wie sie alles mögliche am Reißbrett selbst entworfen hat. Sie zeigt uns stolz ihr Gesellenstück, ein schwerer, kunstvoll verzierter und zweckmäßig aufgebauter Schreibtisch. Er  hat heute noch seinen Platz in der Stube.

Genau auf diesem Schreibtisch sollten Trauungspapiere ausgefüllt werden, vor diesem Schreibtisch standen viele Paare, um sich das JA-Wort zu geben.

Denn in der Zeit von …......bis war im Hause ihres Großvaters Hermann Kieling das Standesamt eingerichtet und ihr Großvater hatte die Aufgabe, die Trauungen durchzuführen.

Dieses Amt füllte er aus, weil er hauptberuflich Kirchendiener beim damaligen Pfarrer Clemens war. Er besaß den Überblich über sämtliche Kirchenbücher und machte die notwendigen Eintragungen. Wegen seiner damaligen Kammerdienerausbildung, wegen seiner Loyalität und Verlässlichkeit wurde er vom Pfarrer Clemens dafür ausgesucht.

In um das Jahr 1958 hatte sie nach 5 -Jährigem Studium das Diplom als Architektin in der Tasche.

Sie arbeitet zunächst in Magdeburg beim Bezirk in der Territorial-Planung. Es geht in großer Offensive um die Schaffung von Rinder-Offenställen in der Landwirtschaft. Sie kennt noch das Sprichwort: Zu dieser Zeit war der Maiskolben die „Wurst am Stiel“. Später War sie in Leipzig beim Bauamt mit Stadtentwicklungsplanung befasst. Sie erinnert sich an die Vorgaben der Bau-Akademie in Berlin, Vorbild war die Stahlin-Allee, um die Mai-Demos ordentlich feiern zu können.

Großvater lebte mittlerweile allein auf dem Dönitzhof. Am Wochenende fährt Gisela oft von Leipzig zu ihm nach Unterrißdorf. Durch einen Wohnungstausch kann sie von Leipzig nach Halle-Neustadt ziehen und ist so näher dran, nach dem Großvater zu sehen.

Ihr eigener Vater ist mit 63 Jahren verstorben, nachdem er gerade mit 63 in Pension ging. Ihre Mutter, die noch immer in der Nähe von Düsseldorf lebte, besuchte Gisela oft in der DDR. Durch ihre Mutter bekam sie ihr erstes Auto, einen Trabi, über GENEX.

Der Großvater altert, ist aber immer noch rüstig. Zu ihm kommt eine Wirtschaftshilfe aus der Siedlung. Auch Lotte Dönitz, die am Anger wohnte, kümmerte sich mit um den Großvater Kieling.

Dann entschied sich Gisela, nach Unterrißdorf zu kommen und den Hof zu übernehmen. Der Großvater stellt keine Forderungen und ist einverstanden.

In dieser Zeit taucht der Verlobte von Gisela wieder auf und sie heiraten 1979. Sie heißt nun Gisela Reimann.

Es kommt zu einer Hofaufteilung mit Herrn Dockhorn, der Großonkel des Großvaters.

Frau Reimann ist die Erste, die sich auf meinen Aufruf zur Geschichts-AG meldet per Telefon im Mai 2024. Mit 92 Jahren erzählt sie uns darauf die Geschichte ihres Hofes und damit auch ihre Lebensgeschichte. Und sie wird die erste und älteste Protagonistin in unserem Doku-Film über Unterrißdorf „Heimat, Höfe, Dorfgeschichte(n).

Hof Schnapperelle

Bergschänke, Landwirtschaft und Schankwirtschaft

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